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Im Zuge der Diskussion um den Neubau der Patscherkofelbahn entstand in den letzten Monaten eine heftige Diskussion über den Ausgangspunkt der künftigen neuen Umlaufbahn. Mit diesem Artikel sollen die unterschiedlichen, in der Diskussion immer wieder genannten Argumente zusammengefasst und näher beleuchtet werden.

Zur Ausgangslage

Seit 1928 verbindet die Patscherkofelbahn den Ort Igls mit dem Patscherkofel. Auf halber Strecke liegt eine Mittelstation, allerdings aufgrund der etwas ungünstigen Lage weitgehend ohne Erschließungswirkung: es fehlt sowohl eine Verbindung zu den Schipisten als auch eine halbwegs attraktive Fußwegverbindung zu den nahegelegenen Zielen Ghf. Heiligwasser bzw. Bobbahn Igls.

Anforderungen

In der ganzen bisherigen Diskussion noch selten in Erscheinung getreten sind die Anforderungen an eine Seilbahn auf den Patscherkofel. Dabei sollte gerade diese Frage vorweg intensiv mit allen Beteiligten und Betroffenen diskutiert werden, um die Millioneninvestitionen auch langfristig abzusichern. Mangels seriöser Quellen wird daher versucht, die Anforderungen zu sammeln und erstmals zu strukturieren:

  1. Kapazitäten für Sommer- und Winterbetrieb > Erklärtes politisches Ziel ist die Erhaltung des Schigebietes im Winter, wenngleich die Eignung des Patscherkofels als Schigebietes aufgrund der Windanfälligkeit und auch der Schneesicherheit insbesondere der südwestseitig ausgerichteten Pisten nur bedingt als ideal bezeichnet werden kann. Die Zukunft des Naherholungsraumes liegt jedoch in den übrigen 3 Jahreszeiten – insbesondere ab dem Frühsommer bis in den Spätherbst. Für den Zeitraum von Mitte Dezember bis Mitte / Ende März sind somit unter der Prämisse eines Weiterbetriebs des Schigebietes im heutigen Umfang deutlich erhöhte Kapazitäten vorzuhalten, während in den restlichen 8-9 Monaten eine Beförderungsleistung von rund 500 Personen / Stunde ausreichen würde.
  2. betriebswirschaftliche Optimierung > Die Vermeidung von Parallelführungn soll eine Reduktion der Aufstiegsanlagen ermöglichen. Im Idealfall kann eine Bahn die bestehenden Liftanlagen OLEX (kuppelbare 4er Sesselbahn), Ochsenalm (Schlepplift), Panoramhan (fixgeklemmte 4er Sesselbahn) und die Pendelbahn ersetzen. Das Personal zur Betriebsführung kann reduziert werden, die technische Wartung wird auf eine Anlage konzentiert. Gleichzeitig besteht ein höheres Ausfallrisiko (steht die Bahn beispielsweise aufgrund eines technischen Defektes, ist das ganze Schigebiet betroffen).
  3. geringe Investitionskosten > bereits für die Übernahme des Schigebietes musst im Haushalt der Stadt Innsbruck ein zweistelliger Millionenbetrag verbucht werden. Die verfügbaren finanziellen Mittel im öffentlich Bereich sind knapp, jede weitere Millioneninvestition ist insbesondere vor dem Hintergrund eines technisch in jedem Fall aufwändigen Schibetriebes am Patscherkofel (Stichwort Beschneiung) kritisch zu hinterfragen.
  4. regionalwirtschaftliche Impulse > der Patscherkofel ist weit über die Grenzen von Innsbruck bzw. den Tiroler Zentralraum hinaus bekannt: als Austragungsort der alpinen Bewerbe im Rahmen der olympischen Winterspiele 1964 und 1976, als Stammgast in österreichweiten Wetterberichten, als markante Geländeform, als Aussichtsberg etc. Die sich dadurch ergebenden Chancen für die regionale Wirtschaft im Mittelgebirge, aber auch Innsbruck bestehen einerseits im Tourismus, andererseits auch in den direkt bzw. indirekt damit zusammenhängenden Wirtschaftsbereichen (z.B. Kongresstourismus, Gesundheit- und Wellness etc.).
  5. Freizeit- und Erholungsbedürfnisse > Aufgabe einer öffentlichen Einrichtung, im Rahmen des Gemeinwohles auch Infrastruktur zur Ausübung von Freizeit- und Erholungsaktivititäen zur Verfügung zu stellen (man denke an Parkanlagen, Hallenbäder etc.) bzw. die entsprechenden Rahmenbedingungen zur wirtschaftlichen Entwicklung (Tourismus) zu schaffen.

Wie sind vor dem Hintergrund dieser Anforderungen die in Diskussion befindlichen Standorte der künftigen Talstationen zu sehen?

Talstation Römerstraße

  • Durch die Bündelung der neuen, kürzeren Seilbahnanlage(n) ergeben sich betriebswirtschaftliche Vorteile aufgrund von reduziertem Personalbedarf und geringerem Wartungsaufwand.
  • Aus regionalwirtschaftlicher Sicht ergeben sich durch eine Verlegung der Talstation hinauf zur Römerstraße keinerlei wirtschaftliche Impulse im Vergleich zur heutigen Situation, im Gegenteil. Durch das Fehlen einer Seilbahnanbindung des Ortes ist ein erheblicher Frequenzrückgang bei Erholungssuchenden und Gästen in der örtlichen Gastronomie, aber auch dem lokalen Gewerbe und Einzelhandel zu erwarten.
  • Der Patscherkofel wird für den (noch verbliebendenen) Gast in Igls unattraktiv, da eine zusätzliche Bus- oder Autofahrt erforderlich ist um zum Einstiegspunkt zu gelangen. Dies widerspricht der weltweiten Tendenz des “Ski-in-Ski-out”.
  • Statt Identität und Unverwechselbarkeit zu stiften, wird der Industriecharakter des Schigebietes unterhalb von Heiligwasser noch verstärkt: es fehlt die für viele funktionierende Tourismusorte typischen Einrichtungen im Umfeld der Talstation – von der Gastronomie über Einzelhandel bis zum Gewerbe. Was vorhanden ist, ist austauschbar, gesichtslos und ohne Wiedererkennungswert.
  • Die alleinige Fokussierung auf Tagesschigäste ist wirtschaftlich äußerst riskant: einerseits setzt man sich damit einem harten Wettbewerb mit den weiteren Schigebieten im Nahbereich von Innsbruck um eine in der Gesamtheit stagnierenden Summe an Schifahrern aus, andererseits fehlt die Berücksichtigung der Interessen von Erholungssuchenden in den übrigen 8-9 Monaten.

Talstation Igls

  • Ski-in-Ski-out” Konzepte sind in der Tourismusbranche mehr denn je gefragt. Damit lässt sich nicht nur ein “Urlaub vom Auto” und damit die vielbeworbene “ökologische Nachhaltigkeit im Tourismus” umsetzen, sondern für den Gast bietet es auch Bequemlichkeit und Zeiteinsparung durch den Wegfall von Umsteige- und Ladevorgängen, Wartezeiten etc.
  • Für die Innsbrucker und Igler Bevölkerung ergibt sich eine optimalere Anbindung an den Patscherkofel, da eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmittel (Buslinie J, Straßenbahnlinie 6) mit kürzeren Fahrzeiten und dichteren Taktfolgen möglich ist.
  • Die Parkplätze an der bestehenden Talstation bzw. beim OLEX könnten zusammengefasst und reduziert werden, da beide Flächen zusammen eine zu große Kapazität bieten und anzunehmen ist, dass im Falle einer Talstation der neuen EUB in Igls auch die Anzahl der Zutritte in Igls zunehmen wird.
  • Eine Optimierung der Talabfahrt (Brücke über die Römerstraße, Präpaierung) würde diese für Wiederholungsfahrten schlagartig attraktivieren. Die Strecke ist insbesondere für Schi-Anfänger, aber auch Rodler attraktiv und aufgrund des unmittelbar südwestlich angrenzenden Waldes auch sehr gut gegenüber Wind- und Sonneneinflüssen abgeschirmt. Im Sommer bestünde die Möglichkeit, die derzeit illegal quer durch den Wald verlaufenden Downhill-Trails auf der Talabfahrt zu bündeln und mit der unteren Bahnsektion Wiederholungsfahrten zu ermöglichen.
  • Mehrkosten in der Betriebsführung entstehen durch den zweiten Antrieb, die längere Streckenführung sowie das Personal in der Talstation. Alle drei Aspekte lassen jedoch Optimierungen zur Reduktion der Betriebskosten zu: so könnte die Talstation im Regelfall unbesetzt bleiben, die Sektion Igls bis Römerstraße würde von der Station Römerstraße “fernüberwacht” und könne als Nahverkehrsmittel zwischen Igls, der Bobbahn und der Badhaussiedlung fungieren (die Liniensplittung der Buslinie J wäre in diesem Fall obsolet, wodurch wiederum Betriebskosten eingespart werden). Der zweite Antrieb könnte entfallen, wenn man das Seil der Umlaufbahn über die gesamte Strecke durchlaufen lässt, während die Kabinen in der Zwischenstation Römerstraße wenden.
  • Die direkte Seilbahnanbindung des Ortes Igls an den Patscherkofel ist Voraussetzung für die Schaffung regionalwirtschaftlicher Impulse: sowohl Gastronomie als auch Gewerbe (z.B. Kunsthandwerk, Sportgeräteverleih etc.) und Einzelhandel profitieren von der Frequenz an Erholungssuchenden und Touristen. Durch das im Nahbereich der bestehenden Talstation befindliche Congresszentrum ergeben sich ideale Voraussetzung für die Miteinbeziehung der Seilbahn in den Kongresstourismus bzw. Veranstaltungen, sodass nicht nur die lokale Wirtschaft in Igls, sondern auch die Betriebe in Innsbruck bzw. des Mittelgebirges profitieren.

Fazit

Die Anbindung von Igls an das Naherholungs- und Schigebiet durch eine Seilbahnanlage ist heute mehr denn je zeitgemäß. Dadurch besteht nicht nur die Chance, der Monofunktionalität eines “Schlafdorfes” entgegenzuwirken, sondern auch für die Innsbrucker Bevölkerung einen attraktiven Ausgangs- und Endpunkt für vielfältige Erholungsaktivitäten zur Verfügung zu stellen. Nicht zuletzt ist die Seilbahn bis zum Ort Voraussetzung, um regionalwirtschaftliche Impulse beispielsweise auch durch die Nutzung von Synergien mit dem naheliegenden Kongresszentrum, aber auch den Gesundheits- und Wellnesseinrichtungen zu schaffen.

Eine Verlegung des Einstiegspunktes hinauf zur Römerstraße vernichtet diese Potentiale, macht das Schigebiet austauschbar und damit im Wettbewerb unattraktiv und ebnet den Boden für Grundstücksspekulationen durch Grundeigentümer und Bauträger. Der Ort Igls verkommt zu einem gesichts- und leblosen Wohngebiet an der Peripherie.

Eine solche Entwicklung wissentlich herbeizuführen wäre ein international beispielloses Zeugnis stadt- und regionalplanerisch Fehlverhaltens der verantwortlichen Politik.

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