Der Umgang mit Naturgefahren im alpinen Raum

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Es ist Juni. Heiß, schwül, die Luft dampft und mächtige Quellwolken entstehen über den Bergen Tirols. Heftige Gewitter (“Unwetter”) ziehen auf, mangels Höhenwind verweilen sie vielerorts lange an ihrem Standort. Zu lange für manche Gegenden – der Boden kann die Wassermassen nicht mehr aufnehmen, Hänge erodieren und geraten in Bewegung. Soweit nichts Ausgewöhnliches, da derartige Ereignisse immer wieder auftreten. Und dennoch sind immer öfter das medial kolportierte Schadensausmaß, vor allem aber die Reaktionen darauf erschreckend. Die Natur gibt wieder einen Warnschuss vor den Bug ab. Aber auf dem Schiff versteht keiner, was damit gemeint ist.

Der Ortsteil Schaller in der Gemeinde See ist Anfang Juni besonders heftig von den Unwettern betroffen worden. Im Schatten des hart verbauten Schallerbaches wähnte man sich in Sicherheit, widmete fleißig Bauland und nahm somit den Druck von den landwirtschaftlichen Flächen in weniger gefährdeten Bereichen heraus. Ein fataler Irrtum.

Neues Einfamilienhaus im Ortsteil Schaller in der Tiroler Gemeinde See (Foto: Tiroler Tageszeitung)

Aber was lernt man daraus? Die Häuser werden an gleicher Stelle wieder aufgebaut, der Hochwasserschutz verstärkt.

Für die Wiederherstellung von Wohnungen und Eigenheimen wird außerdem ein Sonderförderungsprogramm im Rahmen der Wohnbauförderung und der einkommensunabhängigen Wohnhaussanierung aufgelegt. Was die Behördenverfahren zur Wiederherstellung von Infrastrukturen und für erforderliche neue Schutzbauten anlangt, verspricht Platter eine „rasche, effiziente und zielgerichtete Durchführung“.

So die offizielle Mitteilung der Landeskorrespondenz.

Das nächste Schadensereignis ist damit vorprogrammiert, die Eintretenswahrscheinlich lediglich eine Frage an die Statistik. Ökonomisch, ökologisch und auch sozial nachhaltiger wäre es gewesen, die örtliche Raumordnung in der Gemeinde neu aufzustellen und derartige Gefahrenbereiche von jeglicher Bebauung auszusparen.

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Projekt kunsthalle1800 – oder: vom Wert der Natur …

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Das Projekt kunsthalle1800 RESORT des Hospiz St. Christoph / Arlberg beinhaltet 16 Suiten sowie eine unterirdische Halle mit Konzertsaal, Ausstellungsraum und Studio. Ein Projekt, in dem Gerüchten zu Folge viele Mio. EUR betuchter Adeliger und sonstiger Prominenz stecken, dessen Umsetzung aber schon in der Genehmigungsphase immer wieder auf Grenzen gestoßen ist. Etliche Male wurden kiloweise Einreichunterlagen ausgetauscht, da die darin beschriebene Planung technisch nicht genehmigungsfähig bzw. mangelhaft war. Seit letztem Sommer wird aber gebaut. Und wie.

Das benachbarte Hochmoor – immer die heilige Kuh des Naturschutzes in den Verhandlungen – ist im Mai 2015 im wahrsten Sinne des Wortes unter die Räder gekommen. Hätte es zwar nie und nimma dürfen, aber ohne Moor in der Nachbarschaft arbeitet es sich halt leichter. Sagt der Bauleiter. Recht hat er.

Er habe gar nicht versucht um Genehmigung anzusuchen, weil er diese ohnehin nicht bekommen hätte. Also hat er die Anweisung gegeben, das Moor mit viel Schotter und Baumstämmen zu einer Fahrstraße aufzuschütten, den Bach in ein kurzfristig in den Randbereich des Moores gebaggerten Graben zu verlegen und den Schnee auf der Baustelle samt dem darauf befindlichen Baustellenabfall auf die Restfläche zu schieben. Nein, Abdeckung wurde unter dem Schotter keine aufgebracht. Wozu auch – hätte jemand das Moor noch gebraucht? Die Schuld nimmt er gerne auf sich. Was auch sonst, er steht dazu.

Die Bezirkshauptmannschaft Landeck wird ein Strafverfahren einleiten, ein paar Tausender werden bestenfalls zu berappen sein. Ein nicht weiter zu erwähnender Klacks im Vergleich zur Gesamtsumme an Geld, die hier vergraben und verschoben wird. Dementsprechend gelassen auch die Reaktion auf der Baustelle. Und natürlich wird es auch eine Wiederherstellungsverpflichtung geben – aber, wie stellt man ein Hochmoor wieder her? Jetzt, wo’s doch (endlich) weg ist, lässt sich der Platz doch sinnvoller nutzen, oder?

Da, wo jetzt Bauschutt und Fahrstraße sowie dreckiger Schnee liegen war bis Anfang Mai ein Hochmoor. Ein paar (Torf)Reste finden sich noch auf Haufen verteilt am Rande der Baustelle. Nur so, zur Info, falls jemand was brauchen sollte für den eigenen Garten oder Balkonkistchen. Dort oben braucht das Zeug sicher niemand. Oder doch? Interessiert sich vielleicht jemand in der Öffentlichkeit oder Politik für sowas?

Aus der Planungsgeschichte lernen …

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Das Archiv ist bekanntlich die gefürchtetste Waffe der Journalisten gegenüber Politikern. So dramatisch ist es im Fall der viel diskutierten Trassenführung der neuen Patscherkofelbahn zwar nicht, aber dennochist wie so oft ein Blick in die Geschichtsbücher durchaus lehrreich.

Auch die Planer der bestehenden Seilbahn standen seinerzeit vor der Aufgabe, eine windstabile Seilbahntrasse zu finden. Der Föhn wehte auch schon vor hundert Jahren, aufgrund der größeren Almweiden am Berg sogar noch ungezwungener als heute. Eine Bergstation auf dem Gipfel schied daher bereits von vornherein als Endpunkt aus, würde darunter doch der Betrieb der ganzen Anlage an deutlich weniger Tagen möglich sein. Die geplante Trasse schmiegte sich damit an die Nordseite des Berges, duckte sich geradezu vor dessen Westkante um dem Südföhn nur ja keine Angriffsfläche zu bieten und endete schließlich auf dem Grünbichl (geologisch gesehen der eigentliche Patscherkofelgipfel). Interessant ist, dass die favorisierte Trassenführung ihren Ausgangspunkt am Endpunkt der Straßenbahnlinie 6 hatte und bereits damals ein “Knick” östlich der Badhaussiedlung (Römerstraße, Schiwiese) eingeplant wurde. Geht technisch nicht meinten dazu übrigens die “Experten” im Patscherkofelbeirat. 2015 wohlgemerkt, denn vor 100 Jahren war es technisch möglich.

Trassenführung Patscherkofelbahn

Granichstaedten-Czerva, R.: Führer durch Igls und Umgebung, Wagner’sche Universitäts-Buchhandlung, Innsbruck, 1925

Die Igler hatten damals keine rechte Freude mit dieser Trassenführung da zu befürchten war, dass die Bahngäste direkt von der Straßen- in die Seilbahn wechseln würden. Zusätzliche Frequenz für die örtliche Gastronomie und Gewerbe versprach da schon viel mehr die letztlich umgesetzte Lösung: die Endpunkte beider Transportsysteme wurden etwas auseinander gelegt, sodass der (Fuß)Weg zwischen den Stationen unweigerlich an einer Milchbar, Cafés und Gasthäusern vorbeiführte und so für Umsatz sorgte.

Klingt simpel, ist nachvollziehbar und funktioniert selbst heute noch so gut, dass viele Fremdenverkehrsorte wieder vermehrt dieses Konzept für sich entdecken. Viele, aber nicht alle. Vor allem die Tourismusdestination Innsbruck nicht. Was seinerzeit ohne selbsternannte und gut bezahlte Experten der Wirtschaftskammer und Beschneiungsindustrie, ohne Beiräte, Schiverbände und Bündnisobleute etc. – geplant wurde, muss jetzt dem Mobilitätsdenken der spätpubertierenden Generation der Motorisierungswelle der 50er und 60er Jahre weichen. Raus aus dem Ort lautet die Devise, die Erreichbarkeit mit dem PKW scheint immer noch in den Köpfen als Erfolgsgarant zu gelten. Für die sozialen Randgruppen gibt es den Bus.

Dabei bräuchte es nur eine gute Portion Hausverstand zum Verständnis der Anforderungen und gegenseitiger Wirkungszusammenhänge um die Sinnhaftigkeit der einstigen Trassenüberlegungen zu verstehen und wieder aufleben zu lassen. Zum Vorteil der gesamten Tourismus- und Wirtschaftsregion im Tiroler Zentralraum. Nicht nur – aber auch – jener in Igls.

Eine mögliche Lösungsvariante?

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In den bisherigen Diskussionen und Medienberichten wurde selten über konkrete Varianten für eine neue Patscherkofelbahn ausgehend vom bestehenden Ort Igls diskutiert. Die folgende Planung versucht, möglichst viele der bereits erörterten Anforderungen in einer Anlage zu vereinen und Synergieeffekte auch hinsichtlich der Kosten und vor allem aber auch des Nutzens für Innsbruck, Igls und den Tourismus der gesamten Region zu bündeln.

Grundsätze

  • Ein durchgehendes Bahnsystem von Igls über die Römerstraße bis zur Bergstation. Dies ermöglicht volle Flexibilität, sodass beisielsweise auch eine Durchfahrt der Kabinen von Igls über die Zwischenstation bei der Römerstraße bis zur Bergstation, aber auch ein reiner “Inselbetrieb” nur zwischen Römerstraße und Bergstation möglich sind.
  • Keine Überquerung des Golfsplatzes, dadurch Vermeidung von Konflikten bzw. rechtlichen Unsicherheiten sowie kostensteigernden Maßnahmen wie verstärktes Kabinenglas etc.
  • Keine Überquerung der bebauten Grundstücke am Heiligwasserweg, da die neue Seilbahntrasse exakt an der gleichen Stelle die Grundstücke überquert wie die bestehende Bahntrasse und dadurch die Sicherheitsabstände eingehalten werden.

Lediglich die ÖBB Leitung müsste an einer neuen Stelle überquert werden. Dies ist jedoch technisch lösbar, zumal die Leitung in den nächsten Jahren neu errichtet werden soll und bei gegenseitiger Abstimmung auch eine finanziell einfache Lösung möglich erscheint.

Patscherkofelbahn neu

Trassenvariante Patscherkofelbahn neu

Sektion I: Igls – Römerstraße

Die neue Talstation wird im Bereich der bestehenden Talstation auf dem bestehenden Busparkplatz errichtet. Die Kapazität dieser Sektion ist auf ca. 500 Personen / h ausgelegt, sodass die dazu erforderlichen 6-7 Kabinen (je 10 Personen / Kabine) in der Garage der Zwischenstation Römerstraße geparkt werden können. Durch die geringe Förderleistung ergibt sich weiters die Gelegenheit, die Seilfelder entsprechend weit zu dehnen, sodass die Anzahl der Stützen erheblich reduziert werden kann (ca. 4 Stützen werden benötigt).

Zwischenstation Römerstraße

Die Zwischenstation Römerstraße ist das “Herz” der neuen Patscherkofelbahn und beinhaltet u.a. auch den Antrieb für die Sektion I sowie die Garage für alle Kabinen. Die Pisten sind aufgrund der Lage der Station optimal angebunden und müssen nicht adaptiert werden. Die Kabinen könnten theoretisch von Igls bis zur Bergstation durchfahren (beispielsweise im Sommer), oder nur die jeweiligen Sektionen befahren.

Sektion II: Römerstraße – Bergstation

Die Trasse führt von der neuen Zwischenstation an der Römerstraße im Bereich des südwestlichen Parkplatzes direkt hinauf in den Bereich der bestehenden Bergstation. Die Kapazität der Sektion II ist auf ca. 2500 Personen / h ausgelegt. Alternativ bestünde die Möglichkeit, die zweite Sektion nochmals mit einer III. Sektion zu unterteilen, um somit bei starkem Wind zumindest den Abschnitt bis zu einer zweiten Zwischenstation im Bereich der Talstation Panoramabahn (oder Bergstation bestehender OLEX) in Betrieb halten zu können. Diese Variante ist im Plan eingezeichnet.

Kosten

Eine erste Kostenschätzung durch einen weltweit führenden Seilbahnhersteller kam zu folgenden Ergebnissen:

  • Sektion I (Igls – Römerstraße): rd. 4 Mio. EUR (Anlagentechnik) + 1 Mio. EUR (Planung und Tiefbau)
  • Sektion II (Römerstraße – Bergstation): rd. 8 Mio. EUR (Anlagentechnik) + 2 Mio. EUR (Planung und Tiefbau)

Eine Unterteilung in 3 Sektionen würde die Kosten um ca. 2-3 Mio. EUR erhöhen.

Betriebswirtschaftliche Synergieeffekte entstehen u.a. dadurch, dass neben den Kinderliften nur mehr einen Bahntyp von Igls bis zur Bergstation vorhanden ist. Neben der bestehenden Pendelbahn und dem OLEX kann auch die Panoramabahn abgebaut und verkauft werden, insbesondere bei einer Variante mit 3 Sektionen.

Durch die weiterhin bestehende Anbindung von Igls und die von allen Kabinen bediente Zwischenstation Römerstraße kann auch die geteilte Linienführung der Buslinie J hinauf zum OLEX über Lans entfallen, wodurch der Betriebsaufwand der Linie deutlich reduziert werden würde.

Fazit

Um rund 15 Mio. EUR ist die Errichtung einer Bahn möglich, die sowohl für den Winter- als auch den Sommerbetrieb optimale Voraussetzungen bietet, Igls weiterhin anbindet und dadurch den größtmöglichen Nutzen nicht nur für Igls, sondern vor allem auch für die Stadt Innsbruck und die Region schafft.

Ist eine Seilbahnanbindung von Igls noch zeitgemäß?

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Im Zuge der Diskussion um den Neubau der Patscherkofelbahn entstand in den letzten Monaten eine heftige Diskussion über den Ausgangspunkt der künftigen neuen Umlaufbahn. Mit diesem Artikel sollen die unterschiedlichen, in der Diskussion immer wieder genannten Argumente zusammengefasst und näher beleuchtet werden.

Zur Ausgangslage

Seit 1928 verbindet die Patscherkofelbahn den Ort Igls mit dem Patscherkofel. Auf halber Strecke liegt eine Mittelstation, allerdings aufgrund der etwas ungünstigen Lage weitgehend ohne Erschließungswirkung: es fehlt sowohl eine Verbindung zu den Schipisten als auch eine halbwegs attraktive Fußwegverbindung zu den nahegelegenen Zielen Ghf. Heiligwasser bzw. Bobbahn Igls.

Anforderungen

In der ganzen bisherigen Diskussion noch selten in Erscheinung getreten sind die Anforderungen an eine Seilbahn auf den Patscherkofel. Dabei sollte gerade diese Frage vorweg intensiv mit allen Beteiligten und Betroffenen diskutiert werden, um die Millioneninvestitionen auch langfristig abzusichern. Mangels seriöser Quellen wird daher versucht, die Anforderungen zu sammeln und erstmals zu strukturieren:

  1. Kapazitäten für Sommer- und Winterbetrieb > Erklärtes politisches Ziel ist die Erhaltung des Schigebietes im Winter, wenngleich die Eignung des Patscherkofels als Schigebietes aufgrund der Windanfälligkeit und auch der Schneesicherheit insbesondere der südwestseitig ausgerichteten Pisten nur bedingt als ideal bezeichnet werden kann. Die Zukunft des Naherholungsraumes liegt jedoch in den übrigen 3 Jahreszeiten – insbesondere ab dem Frühsommer bis in den Spätherbst. Für den Zeitraum von Mitte Dezember bis Mitte / Ende März sind somit unter der Prämisse eines Weiterbetriebs des Schigebietes im heutigen Umfang deutlich erhöhte Kapazitäten vorzuhalten, während in den restlichen 8-9 Monaten eine Beförderungsleistung von rund 500 Personen / Stunde ausreichen würde.
  2. betriebswirschaftliche Optimierung > Die Vermeidung von Parallelführungn soll eine Reduktion der Aufstiegsanlagen ermöglichen. Im Idealfall kann eine Bahn die bestehenden Liftanlagen OLEX (kuppelbare 4er Sesselbahn), Ochsenalm (Schlepplift), Panoramhan (fixgeklemmte 4er Sesselbahn) und die Pendelbahn ersetzen. Das Personal zur Betriebsführung kann reduziert werden, die technische Wartung wird auf eine Anlage konzentiert. Gleichzeitig besteht ein höheres Ausfallrisiko (steht die Bahn beispielsweise aufgrund eines technischen Defektes, ist das ganze Schigebiet betroffen).
  3. geringe Investitionskosten > bereits für die Übernahme des Schigebietes musst im Haushalt der Stadt Innsbruck ein zweistelliger Millionenbetrag verbucht werden. Die verfügbaren finanziellen Mittel im öffentlich Bereich sind knapp, jede weitere Millioneninvestition ist insbesondere vor dem Hintergrund eines technisch in jedem Fall aufwändigen Schibetriebes am Patscherkofel (Stichwort Beschneiung) kritisch zu hinterfragen.
  4. regionalwirtschaftliche Impulse > der Patscherkofel ist weit über die Grenzen von Innsbruck bzw. den Tiroler Zentralraum hinaus bekannt: als Austragungsort der alpinen Bewerbe im Rahmen der olympischen Winterspiele 1964 und 1976, als Stammgast in österreichweiten Wetterberichten, als markante Geländeform, als Aussichtsberg etc. Die sich dadurch ergebenden Chancen für die regionale Wirtschaft im Mittelgebirge, aber auch Innsbruck bestehen einerseits im Tourismus, andererseits auch in den direkt bzw. indirekt damit zusammenhängenden Wirtschaftsbereichen (z.B. Kongresstourismus, Gesundheit- und Wellness etc.).
  5. Freizeit- und Erholungsbedürfnisse > Aufgabe einer öffentlichen Einrichtung, im Rahmen des Gemeinwohles auch Infrastruktur zur Ausübung von Freizeit- und Erholungsaktivititäen zur Verfügung zu stellen (man denke an Parkanlagen, Hallenbäder etc.) bzw. die entsprechenden Rahmenbedingungen zur wirtschaftlichen Entwicklung (Tourismus) zu schaffen.

Wie sind vor dem Hintergrund dieser Anforderungen die in Diskussion befindlichen Standorte der künftigen Talstationen zu sehen?

Talstation Römerstraße

  • Durch die Bündelung der neuen, kürzeren Seilbahnanlage(n) ergeben sich betriebswirtschaftliche Vorteile aufgrund von reduziertem Personalbedarf und geringerem Wartungsaufwand.
  • Aus regionalwirtschaftlicher Sicht ergeben sich durch eine Verlegung der Talstation hinauf zur Römerstraße keinerlei wirtschaftliche Impulse im Vergleich zur heutigen Situation, im Gegenteil. Durch das Fehlen einer Seilbahnanbindung des Ortes ist ein erheblicher Frequenzrückgang bei Erholungssuchenden und Gästen in der örtlichen Gastronomie, aber auch dem lokalen Gewerbe und Einzelhandel zu erwarten.
  • Der Patscherkofel wird für den (noch verbliebendenen) Gast in Igls unattraktiv, da eine zusätzliche Bus- oder Autofahrt erforderlich ist um zum Einstiegspunkt zu gelangen. Dies widerspricht der weltweiten Tendenz des “Ski-in-Ski-out”.
  • Statt Identität und Unverwechselbarkeit zu stiften, wird der Industriecharakter des Schigebietes unterhalb von Heiligwasser noch verstärkt: es fehlt die für viele funktionierende Tourismusorte typischen Einrichtungen im Umfeld der Talstation – von der Gastronomie über Einzelhandel bis zum Gewerbe. Was vorhanden ist, ist austauschbar, gesichtslos und ohne Wiedererkennungswert.
  • Die alleinige Fokussierung auf Tagesschigäste ist wirtschaftlich äußerst riskant: einerseits setzt man sich damit einem harten Wettbewerb mit den weiteren Schigebieten im Nahbereich von Innsbruck um eine in der Gesamtheit stagnierenden Summe an Schifahrern aus, andererseits fehlt die Berücksichtigung der Interessen von Erholungssuchenden in den übrigen 8-9 Monaten.

Talstation Igls

  • Ski-in-Ski-out” Konzepte sind in der Tourismusbranche mehr denn je gefragt. Damit lässt sich nicht nur ein “Urlaub vom Auto” und damit die vielbeworbene “ökologische Nachhaltigkeit im Tourismus” umsetzen, sondern für den Gast bietet es auch Bequemlichkeit und Zeiteinsparung durch den Wegfall von Umsteige- und Ladevorgängen, Wartezeiten etc.
  • Für die Innsbrucker und Igler Bevölkerung ergibt sich eine optimalere Anbindung an den Patscherkofel, da eine Anreise mit öffentlichen Verkehrsmittel (Buslinie J, Straßenbahnlinie 6) mit kürzeren Fahrzeiten und dichteren Taktfolgen möglich ist.
  • Die Parkplätze an der bestehenden Talstation bzw. beim OLEX könnten zusammengefasst und reduziert werden, da beide Flächen zusammen eine zu große Kapazität bieten und anzunehmen ist, dass im Falle einer Talstation der neuen EUB in Igls auch die Anzahl der Zutritte in Igls zunehmen wird.
  • Eine Optimierung der Talabfahrt (Brücke über die Römerstraße, Präpaierung) würde diese für Wiederholungsfahrten schlagartig attraktivieren. Die Strecke ist insbesondere für Schi-Anfänger, aber auch Rodler attraktiv und aufgrund des unmittelbar südwestlich angrenzenden Waldes auch sehr gut gegenüber Wind- und Sonneneinflüssen abgeschirmt. Im Sommer bestünde die Möglichkeit, die derzeit illegal quer durch den Wald verlaufenden Downhill-Trails auf der Talabfahrt zu bündeln und mit der unteren Bahnsektion Wiederholungsfahrten zu ermöglichen.
  • Mehrkosten in der Betriebsführung entstehen durch den zweiten Antrieb, die längere Streckenführung sowie das Personal in der Talstation. Alle drei Aspekte lassen jedoch Optimierungen zur Reduktion der Betriebskosten zu: so könnte die Talstation im Regelfall unbesetzt bleiben, die Sektion Igls bis Römerstraße würde von der Station Römerstraße “fernüberwacht” und könne als Nahverkehrsmittel zwischen Igls, der Bobbahn und der Badhaussiedlung fungieren (die Liniensplittung der Buslinie J wäre in diesem Fall obsolet, wodurch wiederum Betriebskosten eingespart werden). Der zweite Antrieb könnte entfallen, wenn man das Seil der Umlaufbahn über die gesamte Strecke durchlaufen lässt, während die Kabinen in der Zwischenstation Römerstraße wenden.
  • Die direkte Seilbahnanbindung des Ortes Igls an den Patscherkofel ist Voraussetzung für die Schaffung regionalwirtschaftlicher Impulse: sowohl Gastronomie als auch Gewerbe (z.B. Kunsthandwerk, Sportgeräteverleih etc.) und Einzelhandel profitieren von der Frequenz an Erholungssuchenden und Touristen. Durch das im Nahbereich der bestehenden Talstation befindliche Congresszentrum ergeben sich ideale Voraussetzung für die Miteinbeziehung der Seilbahn in den Kongresstourismus bzw. Veranstaltungen, sodass nicht nur die lokale Wirtschaft in Igls, sondern auch die Betriebe in Innsbruck bzw. des Mittelgebirges profitieren.

Fazit

Die Anbindung von Igls an das Naherholungs- und Schigebiet durch eine Seilbahnanlage ist heute mehr denn je zeitgemäß. Dadurch besteht nicht nur die Chance, der Monofunktionalität eines “Schlafdorfes” entgegenzuwirken, sondern auch für die Innsbrucker Bevölkerung einen attraktiven Ausgangs- und Endpunkt für vielfältige Erholungsaktivitäten zur Verfügung zu stellen. Nicht zuletzt ist die Seilbahn bis zum Ort Voraussetzung, um regionalwirtschaftliche Impulse beispielsweise auch durch die Nutzung von Synergien mit dem naheliegenden Kongresszentrum, aber auch den Gesundheits- und Wellnesseinrichtungen zu schaffen.

Eine Verlegung des Einstiegspunktes hinauf zur Römerstraße vernichtet diese Potentiale, macht das Schigebiet austauschbar und damit im Wettbewerb unattraktiv und ebnet den Boden für Grundstücksspekulationen durch Grundeigentümer und Bauträger. Der Ort Igls verkommt zu einem gesichts- und leblosen Wohngebiet an der Peripherie.

Eine solche Entwicklung wissentlich herbeizuführen wäre ein international beispielloses Zeugnis stadt- und regionalplanerisch Fehlverhaltens der verantwortlichen Politik.

Wohnbau in Igls

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Igls ist ein Ort im südöstlichen Mittelgebirge, ca. 400-500m oberhalb des Inntales bzw. der Tiroler Landeshauptstadt gelegen. Während der NS-Zeit erfolgte gemeinsam mit dem Nachbarort Vill die Eingemeindung in die Stadt Innsbruck. 2014 übernahm die Stadt den Betrieb und die Seilbahnanlagen am Patscherkofel. Für die bald 90 Jahre alte Pendelbahn (Betriebsaufnahme: 14.4.1928), die den Ort Igls über eine Mittelstation direkt mit dem Schutzhaus Patscherkofel verbindet, ist 2016 die nächste behördliche Betriebsüberprüfung erforderlich. Um diese positiv zu bestehen und den Betrieb weiterführen zu können sind Investitionen in die maschinellen Anlagen bzw. Kabinen erforderlich. Der finanzielle Aufwand hierfür wird – je nach Quelle – mit ca. 0,7 – 2 Mio. EUR geschätzt. Anstelle der Sanierung steht auch ein Neubau der Bahn zur Diskussion. Dieser könnte einerseits vom bestehenden Talstationsbereich aus erfolgen und über eine neu zu errichtende Mittelstation sowohl die bestehenden Schipisten als auch die Bob- und Rodelbahn an Igls anbinden, oder in einer künftig gekürzten Streckenführung erst ab der sog. “Römerstraße” auf den Berg führen. Von Igls aus müsste man damit zunächst mit dem Bus oder dem Auto zur neuen Talstation fahren. Ein Vorteil der verkürzten Streckenführung wäre, dass der bislang als Frei- bzw. Sonderfläche gewidmete Bereich rund um die bestehende, denkmalgeschützte Talstation vollständig einer Verbauung zugeführt werden kann. Rund 60.000 – 65.000 m² an Fläche stünden zur Verfügung – rechnet man den Abtrag des noch aus der Eiszeit bestehenden sog. “Kleinen Patscherkofel” mit ein. Darauf ließen sich je nach Baudichte bis zu rund 500-700 WE realisieren, was einer Einwohnerzahl von ca. 1200 – 1500 Personen entspricht. Gegenwärtig sind rund 2300 Einwohner in Igls gemeldet. Kleiner Patscherkofel Doch welche Gründen sprechen nun für, welche gegen einen Verbauung?

PRO

  • unbestritten ist die hohe Wohnqualität aufgrund der ruhigen Lage, einer guten Besonnung sowie der hohen Luftgüte
  • Basisinfrastruktur wie Bank, Supermarkt, Ärzte, Kindergarten und Volksschule ist im Ort vorhanden
  • Durch die Endhaltestelle der Buslinie J bei der bestehenden Talstation der Patscherkofelbahn ist das Gebiet an den öffentlichen Verkehr angebunden
  • Im Individualverkehr steht mit der A13 Brennerautobahn (Ast. Igls / Patsch) bzw. der A12 Inntalautobahn (Ast. Innsbruck Mitte) eine gute überregionale Anbindung zur Verfügung.
  • Die privaten Grundeigentümer sind an einer Veräußerung ihrer Grundstücke sehr interessiert, sodass die grundsätzliche Verfügbarkeit der Flächen gegeben ist.
  • Für die im städtischen Eigentum befindlichen Flächen können bei einem Verkauf an Bauträger (einmalige) Erträge für den angespannten Haushalt der Stadt Innsbruck erzielt werden.

CONTRA

  • Igls verfügt gegenwärtig bereits über einen massiven Baulandüberhang. Rund 35-40% der als Bauland gewidmeten Flächen sind in Igls nicht bebaut. Die Gründe hierfür sind unterschiedlich, nicht selten werden Grundstücke als Wertanlage “gehortet” bzw. dienen Spekulationszwecken. Wäre Igls eine selbstständige Gemeinde, dürfte eine Ausweisung von zusätzlichem Wohnbauland – insbesondere in dieser Größenordnung – unter Bezugnahme auf das TROG (“sparsame Verwendung von Grund und Boden”) nicht erfolgen. Nur die Umlegung der Igler Baulandbilanz auf das gesamte Stadtgebiet von Innsbruck ermöglicht eine solche Neuausweisung.
  • In kaum einem anderen Innsbrucker Stadtteil sind die Immobilienpreise derart hoch wie in Igls. Das seitens der Politik oftmals propagierte “leistbare Wohnen” (“sozialer Wohnbau”) wäre nur dann machbar, wenn die öffentliche Hand den Wohnbau massiv finanziell stützt. Gegenwärtig liegen die erzielbaren Quadratmeterpreise in dieser Lage bei ca. 7500 EUR/m².
  • Aufgrund der hohen Immobilienpreise sind Neubauprojekte in Igls derzeit nur schwer verkaufbar. Wenn Wohnraum geschaffen wird, ist ein Verkauf in erster Linie als “Anlageobjekt” realisierbar. Derartige Liegenschaften werden jedoch nur in seltensten Fällen tatsächlich von deren Besitzern bewohnt bzw. vermietet, sondern stehen leer. Gerade diese “Anlageobjekte” sind jedoch in Fachkreisen unbestritten als Preistreiber für den gesamten Immobilienmarkt bekannt. Insbesondere Investoren aus dem Ausland nutzen diese bis dato legale Möglichkeit, um Geld in inländischen Immobilien aktuell noch gewinnbringend zu “parken”.

Sollte es dennoch gelingen, für alle Wohnungen tatsächliche BewohnerInnen und nicht nur BesitzerInnen zu finden sind weitere Problempunkte zu lösen:

  • Die bestehenden sozialen Infrastruktureinrichtungen wie Kindergarten und Volksschule sind einer fast Verdoppelung der Bevölkerung nicht gewachsen und müssten massiv ausgebaut werden.
  • Weitere Einrichtung zur Daseinsgrundvorsorge sind in Igls anzusiedeln bzw. zu ergänzen (Kassenärzte, Einzelhandel, Post etc.). Allein die mehrmalige Kündigung des Postpartner in Igls in den letzten Jahren zeigt die angespannte Situation, derartige Einrichtungen außerhalb der Kernstadt dauerhaft zu halten.
  • Die bestehende Buslinie J ist bereits jetzt insbesondere in der Früh- und Nachmittagsspitze trotz Intervallverdichtung 2014 – sehr gut ausgelastet, in der Schulzeit regelmäßig auch überlastet. Ein Anstieg der Bevölkerung im beschriebenen Ausmaß würde eine weitere Intervallverdichtung erfordern, da der Einsatz größerer Fahrzeuge (Gelenksbusse) aufgrund der hohen Längsneigung der Igler Straße nicht möglich ist. Der bereits jetzt sehr aufwändige Betrieb der Buslinie – insbesondere im Winter müssen für die Busse oft Schneeketten verwendet werden, zudem höherer Spritverbrauch und Wartungsarbeiten aufgrund des bei jeder Fahrt zu überwindenden Höhenunterschiedes – wird zu annähernd doppelt so hohen jährlichen Betriebsaufwänden für die IVB für diese Buslinie führen.
  • Neben den stark steigenden Fahrgastzahlen im öffentlichen Verkehr ist auch mit einer erheblichen Zunahme der PKW-Fahrten zu rechnen. Die Igler Straße ist in ihrem gesamten Abschnitt zwischen Vill und dem Kreisverkehr bei der Ast. Innsbruck Mitte durch beengte Platzverhältnisse, enge Kurvenradien und eine hohe Längsneigung gekennzeichnet. Ein Ausbau der Straße ist aufgrund der schlechten Geologie (Rutschhänge erfordern bereits jetzt jährlich hohe finanzielle Aufwände für die bauliche Instandhaltung) teuer und mit großen Eingriffen in das Landschaftsbild verbunden. Ungelöst bliebe trotz Ausbau jedoch der prognostizierte Rückstau am Kreisverkehr in Innsbruck.
  • Die Erschließung der Grundstücke erfordert eine neue Zufahrt von der Patscher Straße vorbei am Congress Igls. Der Congresspark wäre damit vom dahinterliegenden Waldbereich Richtung Heiligwasser abgeschnitten und in seiner Attraktivität beeinträchtigt.
  • Im Fall einer massiven Erhöhung der Einwohnerzahlen in Igls sind erhebliche Investitionen in die technische Infrastruktur erforderlich – insbesondere im Bereich der Abwasserentsorgung sowie der Wasserversorgung, aber auch des Stromnetzes. Diese beschränken sich nicht auf das Herstellen der notwendigen Hausanschlüsse. So ist im Bereich der Abwasserentsorgung ein neuer Hauptsammelkanal nach Innsbruck hinunter herzustellen, um die zusätzlichen Abwassermengen in die Kläranlage in Rossau einleiten zu können.
  • Der Bereich um die bestehende Talstation der Patscherkofelbahn bietet dem Erholungssuchenden seit jeher ein einmaliges landschaftliches Panorama und markiert als solcher den Beginn einer gut frequentierten Erholungsachse von Igls bis zum Walfahrtsort Heiligwasser.
  • Neben der Talstation findet sich der sogenannte “Kaserer Gletscher” mit einem Übungslift. Die Lage und Exposition der Schiwiese erlaubt trotz häufiger Föhnlagen einen langen Schibetrieb. Selbst bei eingestelltem Betrieb wird die Wiese von vielen SchianfängerInnen, Rodlern etc. genutzt. Viele InnsbruckerInnen standen hier auch zum ersten Mal auf Schiern. In vielen Wintersportorten weltweit ist die Tendenz zum “urban skiing” wieder verstärkt wahrzunehmen – Schipisten und Liftanlagen werden unmittelbar bis zum gebauten Gebiet herangeführt. Das die Schiwiese auch heute noch funktioniert ist durch dieses Video eindrucksvoll belegt: Skiwiese Kaserer und Pendelbahn
  • Die Stadt Innsbruck hat mit dem Energieentwicklungsleitbild einen Leitfaden erstellt, der u.a. Kriterien zur künftigen Neuausweisung von Wohnbaugebieten enthält. Neben der “Stadt der kurzen Wege” wird darin auch ein niedriger Heizbedarf als Voraussetzung angesehen. Dieser kann einerseits durch entsprechende bauliche Ausgestaltung erfolgen, andererseits aber auch die Lage des Bauplatzes. Aufgrund der Höhenlage liegen die Durchschnittstemperaturen im Mittelgebirge ca. 3,5 Grad unter jenen im Inntal. Zu den nordseitigen Sonnenhängen ist die Temperaturdifferenz noch größer. Wohnen in Igls erfordert somit selbst bei optimaler Ausrichtung mehr Heizenergiebedarf als ein vergleichbarer Standort im Talboden bzw. deutlich mehr als einer auf den Sonnenhängen im Norden Innsbrucks. Hinsichtlich des Energiebedarfes ist zudem der erhöhte Mobilitätsaufwand mitzuberücksichtigen, sodass unter diesem Gesichtspunkt Igls als der ungünstigste Standort für Wohnen im gesamten Stadtgebiet von Innsbruck anzusehen ist.
  • Eine “Stadt der kurzen Wege” ist ein oft propagiertes Leitziel des Stadtentwicklungsplanes, aber auch Strategiepläne zur Tiroler Raumordnung. Kurze Wege erfordern aber kurze – im Idealfall fußläufige – Distanzen zwischen dem Wohnstandort und den Gelegenheiten im Rahmen von täglichen Aktivitäten. Die bis in die 70er Jahre praktizierte Schaffung von monofunktionalen (Wohn)Räumen fernab der Kernstadt widerspricht dieser Zielsetzung und ist heute fachlich nicht mehr zu begründen.
  • Die Hochblüte des Tourismus in Igls ist seit der Jahrundertwende bzw. der Nachkriegszeit vorüber. In den letzten Jahren konnte jedoch eine Beschleunigung der Entwicklung festgestellt werden. Der Charakter eines sich zu einer x-beliebigen “Vorstadtwohnsiedlung” wandelnden Ortes ist nicht geeignet, Gäste zum Urlaub in einer solchen Region anzuregen. Mit dem Verlust der direkten Anbindung des Ortes an den Erholungsraum Patscherkofel bzw. das Schigebiet, der verloren gegangenen Grün- und Erholungsachse zwischen Igls – Olympiaexpress und Heiligwasser sowie der massiven Ausweitung der Verbauung ist für den künftigen Tourismus in Igls keine Grundlage mehr vorhanden.
  • Innerhalb des von der Wohnbebauung betroffenen Areals liegt der “Kleine Patscherkofel“, ein Relikt aus der Zeit des Inntalgletschers. Dieser Hügel prägt seit Jahrhunderten das lokale Landschaftsbild und ist als solcher auch identitätsstiftend für den gesamten Bereich. Dies äußerte sich nicht zuletzt in der Benennung dieses landschaftsstrukturellen Elements durch die lokale Bevölkerung. Ein Abtrag bzw. einer Überbauung wäre ein schwerwiegender und unwiderbringlicher Eingriff in das Landschaftsbild und damit auch Widerspruch zu §1 (“Schutz der Eigenart und Vielfalt der Tiroler Landschaft”) des Tiroler Naturschutzgesetz 2005.
  • Igls verfügt als einer der wenigen Stadtteile in Innsbruck aufgrund seiner Größe, vor allem aber auch stetig, jedoch nicht plötzlich gewachsenen Einwohnerzahl, über ein aktives Vereinsleben und Dorfleben. Ein Anstieg der Bevölkerung um fast das Doppelte würde diese Struktur stark gefährden und könnte auch mittel- bis langfristig viele traditionelle Veranstaltungen und Einrichtungen in ihrem Bestand gefährden.

Wohnbau – egal ob leistbar oder nicht – ist damit an genau dieser Stelle für Igls – aber auch Innsbruck sowie die Region südöstliches Mittelgebirge – aus einer Vielzahl an Gründen abzulehnen und widerspricht stadtplanerischen Zielsetzungen der Stadt Innsbruck wie auch raumordnerischen Grundsätzen des Landes.

Was also tun?

Allein die grundsätzliche Baulandeignung darf nicht ausschlaggebend für die Verbauung von seit Jahrhunderten bestehenden Freiflächen sein. Auch wenn die Freiflächen durch die Besitzverhältnisse und auch die Geländeverhältnisse für eine Verbauung geeignet sind müssen für eine potentielle Verbauung auch weitere Kriterien herangezogen werden, die einen derart langfristigen und in der Realität unumkehrbaren Schritt rechtfertigen. Wohnbau in Igls muss schrittweise an Standorten durchgeführt werden, die die Multifunktionalität des Ortes wieder stärker betonen und mit bestehenden sozialen und räumlichen Strukturen in Einklang zu bringen sind. Igls bietet ideale Voraussetzungen, um Aktivitäten wie Wohnen, Freizeit & Erholung, Wirtschaft (Tourismus), aber auch Land- und Forstwirtschaft nebeneinander auszuüben. Es wurde an dieser Stelle bewusst nicht näher auf die Frage nach der Lage der Talstation eingegangen, die Anbindung des Ortes zum bestehenden Erholungs- und Schigebiet Patscherkofel ist jedoch Voraussetzung für eine künftig wieder verstärkt multifunktionale Entwicklung des Ortes. Ideen für die Nutzung des Areals im Rahmen von Freizeit- und Erholungsaktivitäten, aber auch für kulturelle und soziale Einrichtungen gibt es viele (vgl. Sportspange, Jugendzentrum etc.). Sie müssen auch unter Einbindung der lokalen Bevölkerung konkretisiert und im Zuge der Fortschreibung des örtlichen Raumordnungskonzeptes verankert werden.

Eine Verbauung des Areals ist die denkbar simpelste, gleichzeitig aber auch kurzsichtigste und konfliktbehaftetste aller möglichen Nutzungsvarianten, die jegliche spätere alternative Nutzung auf immer verunmöglicht.

Nachhaltige Verkehrspolitik im Tiroler Landesbudget 2014 ?

Auch wenn es die Blogs von Gebi Mair und Co. suggerieren, nüchtern betrachtet ist der große Wurf bezogen auf eine nachhaltige Verkehrspolitik Entwurf zum Tiroler Landesbudget 2014 nicht zu finden. Zwar wurden die Ausgaben für den Nahverkehr um rd. 9 Mio. erhöht, aber lt. Pressemeldung dient dieses “zusätzliche Geld zur Finanzierung des Senioren- und des Schülertickets sowie künftiger Tarifmaßnahmen”. Also in erster Linie die selbe Klientel, die als große Wählergruppe ohnehin bislang schon gut bedient wurde. Studierende und Berufstätige schauen weiterhin durch die Finger. Zum Vergleich: Vorarlberg führte das 365 EUR Jahresticket für den gesamten Verkehrsverbund ein – in Tirol kostet selbiges günstige 1.943 EUR, mehr als das 5fache.

Nicht ganz verschwiegen werden sollte auch, dass die Mittel für den Straßenbau um rd. 5 Mio. erhöht wurden.

Alpine Space?

“A goal without a plan is just a wish.”  – Antoine de Saint-Exupéry –

Mobility and Alps – in the public, these two words are often related to negative issues such as transalpine transport, noise, air pollution, endless traffic jams during high-season-weekends etc. This is one of the reasons why presently there is considerable interest among planners and other experts as well as interested people from the public in integrating land use and transport planning. Primarily to reduce the negative impacts which are deriving from rising congestion and higher costs for living and daily mobility needs.

Fine. But why this blog? The objective is to create an open plattform for discussing issues related to spatial planning and traffic engineering in alpine regions. “Alpine” is not limited to the Alps in Europe, it stands for all mountainous regions in the world. Therefore, let’s start…